Der Deutsche Sportwettenverband DSWV begründet den jüngsten Umsatzrückgang unter anderem mit dem stark florierenden Schwarzmarkt für Sportwetten.
Der junge Bankkaufmann Thomas Melchior schaut das Champions-League Spiel des FC Bayern gegen Rapid Wien. Während der Halbzeitpause läuft auf seinem Fernseher ein Werbeclip für den Wettanbieter „Bet and Win“. Thomas zögert nicht lange, eröffnet ein Konto und setzt zehn Euro auf einen Bayern-Sieg mit bet fussball wettanbieter test mindestens zwei Toren Unterschied. Knapp 60 Minuten später ertönt der Schlusspfiff. Der FC Bayern gewinnt mit 4:0 und sorgt dafür, dass die Wette aufgeht.
Aus den eingezahlten zehn Euro wurden elf Euro: „Ein Euro Gewinn bei zehn Euro Wetteinsatz entsprachen für mich als Bankkaufmann gleich einer Rendite von zehn Prozent und das in nur einer Halbzeit, ein unglaublicher Wert!“, erinnert sich Thomas. Er beschließt, sein Geld ab sofort in Sportwetten anzulegen. Während andere Menschen Geld in Bausparverträgen oder Aktienfonds anlegen, wählte Thomas Sportwetten, um sein Erspartes zu sichern. Sein Spielverhalten geriet schnell außer Kontrolle und es folgte der tiefe Absturz in die Sucht. Thomas verlor seinen Job und unterwarf sein Leben für über zehn Jahre vollkommen dem Glücksspiel. Die Sportwettanbieter investierten in den vergangenen Jahren hohe Summen in das Sponsoring von Profivereinen und Verbänden.
| Bundesland | Steuersatz | Steuereinnahmen 2023 (in Mio. €) | Steuereinnahmen 2024 (in Mio. €) |
|---|---|---|---|
| Hessen (Glücksspielaufsicht) | 5,3% vom Umsatz | 288,5 | 312,7 |
| Baden-Württemberg | 5,3% vom Umsatz | 142,1 | 154,8 |
| Bayern | 5,3% vom Umsatz | 135,9 | 148,2 |
| Nordrhein-Westfalen | 5,3% vom Umsatz | 198,4 | 215,0 |
Das ist für die Clubs aus finanzieller Sicht ein Segen, denn kaum eine andere Branche ist als externer Geldgeber so großzügig wie die Wettanbieter.
Das geht aus dem offiziellen Glücksspielatlas 2023 hervor, der jährlich relevante Informationen, Daten und Fakten zum Thema Glücksspiel zusammenfasst. Das bestätigt ein Blick auf die Umsatzentwicklung der Sportwettenindustrie seit 2014. Bis 2021 stiegen die Umsätze der Sportwettanbieter mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 kontinuierlich an. An einem sinkenden Interesse für Sportwetten liegt das mit Sicherheit nicht. Schließlich enthält die Statistik nur die Umsätze der legalen Sportwettanbieter. Im Gegenzug für die Finanzspritzen dürfen die Wettanbieter auf Seitenbanden, im Fernsehen oder sogar auf dem Trikot werben. Für lizenzierte Wettanbieter wie „Tipico“ und „Bwin“ sind Sponsoringdeals wichtig, um sich von den vielen illegalen Wettangeboten abzugrenzen. Das betont Luka Andric, Geschäftsführer des DSWV. Strengere Werberegulierungen führen laut Andric zu einem stärker wachsenden illegalen Markt sowie zu „erheblichen finanziellen Einbußen“ für die Sportbranche. Schließlich sind viele Vereine längst auf das Sponsoring angewiesen, um Investitionen in Infrastruktur und Jugendarbeit tätigen zu können. Konrad Landgraf von der Landesglücksspielstelle Bayern sieht die hohe Werbepräsenz der Glücksspielanbieter kritisch. Um mehr Menschen vor der Spielsucht zu schützen, fordert der Suchtexperte ein weitestgehendes Werbeverbot für alle Sportwettenanbieter. Egal, ob mit oder ohne staatliche Lizenz.
Die Werbekampagnen ("Westlotto informiert: Der Lotto-Jackpot wurde bei der letzten Ziehung nicht geknackt. Deshalb heute im Jackpot .. Millionen Euro") bzw. die Image-Werbung ("Lotto hilft ...") seien damit nicht vereinbar. Es handelt sich um die erste Hauptsachenentscheidung des OVG zu dieser Frage.
Beim Senat sind noch zahlreiche gleich gelagerte Fälle aus anderen Städten und Gemeinden des Landes anhängig. Dagegen kann die Nichtzulassungsbeschwerde erhoben werden, über die das BVerwG entscheidet. BGH zum Onlineglücksspiel: Zocken im Internet ist und bleibt verboten - vorerst Der neue Glücksspiel-Staatsvertrag: Netzsperren durch die Hintertür? Neuregelung des Glücksspiels: 15 Bundesländer setzen auf's falsche Pferd In: Legal Tribune Online, 30.09.2011 , (abgerufen am: 30.05.2026 ) Sportwetten haben sich in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft etabliert und sind zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung für Erwachsene geworden. Bis zur Einführung des Glücksspielstaatsvertrags im Jahr 2021 verzeichnete der Markt für Sportwetten ein kontinuierliches Wachstum. Online-Sportwetten galten in Deutschland lange als rechtliche Grauzone.
| Glücksspielsegment | Gesamtumsatz in Deutschland (in Mrd. €) | Wachstum vs. Vorjahr | Marktanteil |
|---|---|---|---|
| Sportwetten (Online & Ladengeschäft) | 11,4 | +7,5 % | 32 % |
| Online-Casino (iGaming) | 8,2 | +12,1 % | 23 % |
| Staatliche Lotterien (inkl. Lotto) | 10,1 | +1,2 % | 28 % |
| Spielautomaten (Gastronomie) | 5,8 | -0,5 % | 16 % |
Das änderte sich im Januar 2021 durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag. Sportwettanbieter müssen seitdem zwingend eine Lizenz besitzen, um die Wetten online anbieten zu dürfen.
Die Lizenz ist an einige Regulierungen im Bereich des Spielerschutzes geknüpft und soll Spielsucht präventiv vorbeugen.
| Anbieter | Mobile Umsatzanteil | Desktop Umsatzanteil | Ladengeschäft (sofern vorhanden) |
|---|---|---|---|
| Tipico | 68 % | 22 % | 10 % |
| bet365 | 78 % | 22 % | 0 % |
| Bet-at-home | 71 % | 29 % | 0 % |
| Oddset (Staatl.) | 42 % | 18 % | 40 % |
Beim Deutschen Sportwettenverband ist man mit der jüngsten Entwicklung im Bereich Spielerschutz zufrieden. Seitdem der neue Glücksspielstaatsvertrag gilt, habe sich ein „sicheres Wettumfeld“ etabliert, betont DSWV-Geschäftsführer Andric und verweist dabei auf „verschiedene Schutzmechanismen wie Selbstlimits, Spielpausen und das plattformübergreifende OASIS-Sperrsystem“.
Seit Einführung der aktuellen Regulierung hat der legale Sportwettenmarkt bereits ca. 15% seines Volumens verloren – ein besorgniserregender Trend. Dies ist auf die einschneidende Regulierung des Glücksspielstaatsvertrags und die Präsenz des Schwarzmarkts zurückzuführen. Seit der Neuregelung der Sportwettsteuer im Jahr 2012 durch das Rennwett- und Lotteriegesetz erhalten die Bundesländer erhebliche Einnahmen aus Sportwetten. Derzeit erhalten sie 5,3 Prozent jedes Wetteinsatzes in Deutschland.
Seit Inkrafttreten des Glückssspielstaatsvertrags 2021 sind die Umsätze der Sportwettenbranche und damit auch die Steuereinnahmen der Bundesländer jedoch rückläufig. Diese negative Entwicklung hat zwei Gründe: Die mangelnde Attraktivität des legalen Sportwettenmarktes und der insbesondere im Internet florierende Schwarzmarkt. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL), zu deren Aufgaben auch der Vollzug gegen das illegale Glücksspiel im Internet zählt, hat also noch viel Arbeit vor sich. Vollzugsbemühungen alleine reichen jedoch nicht aus, um langfristig einen gut funktionierenden regulierten Sporwettenmarkt in Deutschland zu etablieren. Genauso wichtig ist es, die legalen Sportwettenanbieter im Wettbewerb mit illegalen Angeboten zu stärken. Das beweist ein Blick auf die Zahlen.
Nach eigenen Angaben wird in Deutschland jede zweite Sportwette bei Tipico platziert. Betclic wird in Frankreich, Portugal, Polen und der Elfenbeinküste angeboten und machte zuletzt 1,4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Die Übernahme soll Mitte 2026 abgeschlossen werden und bedarf noch der Zustimmung von Aufsichtsbehörden. Betclic werde seinen Mehrheitsanteil am deutschen Sportwettenanbieter Bet-at-Home verkaufen, heißt es. Banijay betreibt neben dem Sportwetten- und Glücksspielgeschäft vor allem die Produktion und den Vertrieb von TV-Entertainmentinhalten wie »Big Brother« und ist auch bei Liveveranstaltungen vertreten.
Das Unternehmen rechnet sich durch die Übernahme jährliche Kosteneinsparungen und positive Umsatzeffekte von mittelfristig 100 Millionen Euro aus. Nach der Übernahme wird Banijay zunächst knapp 65 Prozent des aus Betclic und Tipico fusionierten Unternehmens besitzen. Dieser Anteil soll auf mindestens 72 Prozent klettern. CVC soll mittelfristig als Minderheitsanteilseigner beteiligt bleiben. Die Gründer von Tipico bringen alle ihre Anteile in das neue Unternehmen ein. Seit der Einführung des Sperrsystems, haben sich über 270.000 Spieler*innen bei Glücksspielanbietern sperren lassen, oder wurden durch Angehörige in die Sperrdatei eingetragen. Wie wirksam die Maßnahmen wirklich sind, lässt sich wenige Jahre nach der Gesetzanpassung noch nicht beurteilen.
Fakt ist, dass man bei Fußballspielen kaum noch an Sportwettenwerbung vorbeikommt. Egal, ob im Stadion oder vor dem Fernseher: Die aufregenden Werbeclips sind omnipräsent.
Konkret heißt das, dass den erlaubten Anbietern angemessene Werbung für ihre Produkte ermöglicht werden muss. Zudem sollten sich Produktbeschränkungen – zum Beispiel im Bereich des Wettprogramms – daran orientieren, was von Kunden nachgefragt wird. Denn lebensfremde Restriktionen führen insbesondere im Internet zu der schon heute stattfindenden schnellen Abwanderung der Spieler zu nicht regulierten Angeboten. Es ist im Interesse aller Seiten, den regulierten Sportwettenmarkt zu stärken, denn nur in diesem Umfeld können Spieler-, Jugend- und Verbraucherschutz sowie die Integrität des sportlichen Wettbewerbs gewahrt werden. Der Sportwettenanbieter Tipico wechselt für einen Milliardenbetrag den Besitzer.
Der Finanzinvestor CVC verkauft die Plattform an den französischen Entertainmentkonzern Banijay, zu dem der Konkurrent Betclic gehört. Wie die Firmen in Paris mitteilen, wird der Anbieter zu einem Unternehmenswert inklusive Schulden von 4,6 Milliarden Euro gekauft. Banijay will damit neben seinem eigenen Anbieter Betclic die Geschäfte mit Sportwetten und Online-Glücksspiel deutlich ausbauen. Gemeinsam wären die Firmen der viertgrößte europäische Anbieter in diesem Bereich, heißt es. Tipico machte 2024 den Angaben zufolge als einer der führenden Anbieter in Deutschland 1,3 Milliarden Umsatz und hat im September die österreichische Plattform Admiral mit jährlich 346 Millionen Euro Umsatz übernommen. Für die Wettanbieter geht die Werbestrategie voll auf: Im Stadion und bei Liveübertragungen werden potenzielle Spieler direkt angesprochen.
So ist es auch kein Zufall, dass ausgerechnet Hobbykicker Thomas Melchior vor fast 20 Jahren mit dem Spielen begann: „Die Werbung soll gezielt junge, sportbegeisterte Männer ansprechen“, erklärt Suchtexperte Konrad Landgraf. Hintergrund ist, dass sich die Sportbegeisterten durch ihre Fachkenntnisse im Sport einen Vorteil beim Wetten erhoffen und „die Wette sogar als Möglichkeit sehen, einfach und schnell Geld zu verdienen“, fährt Landgraf fort. So war es auch bei Thomas Melchior, der die Sportwetten als Geldanlage nutzen wollte und am Ende hochverschuldet im Gefängnis landete.
Um an immer mehr Geld zu kommen, beging er mehrere Straftaten, ehe er am 18. Januar 2019 wegen Raub und Betruges zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Seine Schulden beliefen sich auf rund 800.000 Euro. Thomas Melchior ist mit seinem Schicksal nicht allein. In Deutschland haben insgesamt 4,6 Millionen Menschen ein problematisches Spielverhalten oder sind gar spielsüchtig.