Per Mausklick beantragt er bei Tipico die Limiterhöhung - und nur knapp zwei Sekunden ploppt ein Fenster auf: Die Limiterhöhung geht klar.
Wie groß ist der politische Einfluss der Unternehmen inzwischen nach seiner Einschätzung? Julian Bonnici, Journalist, Amphora Media (Übersetzung MONITOR): "Er ist massiv! Wenn man sich die Daten anschaut, dann wird deutlich, dass 12 Prozent der maltesischen Wirtschaft indirekt oder direkt von der Glücksspielbranche abhängen. Fragt man Julian Bonnici, woran sich das zeigt, nennt er nur ein Stichwort: Bill 55. Es ist ein Gesetz, dass die Regierung der Glücksspielindustrie passgenau geschrieben hat.
Tobias Hayer, Glücksspielforscher, Universität Bremen: "Kurz gefasst bedeutet dieses Gesetz, dass Urteile aus anderen Ländern - auch aus Deutschland - nicht anerkannt werden und nicht vollstreckt werden." Auf diese Weise schützt der maltesische Staat die Glücksspielindustrie vor Klagen ausländischer Spieler und Spielerinnen, die ihr verlorenes Geld wiederhaben wollen. Viele fordern von der EU-Kommission deshalb, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Malta einzuleiten. Doch seit zwei Jahren unternimmt die EU praktisch nichts. Auf unsere Nachfrage heißt es lapidar, man sei in "konstruktiven Gesprächen". Betway hat inzwischen übrigens eine Lizenz in Deutschland, ist also jetzt legal hier unterwegs. Zu unserem Selbstversuch möchte Tipico sich nicht äußern.
Eigentlich ist es deshalb ganz einfach, wer nicht genug verdient, darf sein Limit nicht raufsetzen. So wie Elias - studentischer Mitarbeiter beim WDR. Nach dem Gesetz sollte er also nie die Erlaubnis bekommen, sein Limit auf 10.000,- Euro hochzusetzen. Elias macht für uns einen Selbst-Versuch beim Sportwettenanbieter Tipico. Schafft er es, sein Limit hochzusetzen, obwohl er das Geld nicht hat? Aber, alle Kunden würden einem ständigen Spielerschutz-Monitoring unterliegen.
Im Übrigen - schreibt Tipico weiter - handele es sich bei Sportwetten um ein Prepaid-Produkt.
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Achim Pollmeier: "Alle fünf Sekunden dürfen sich die Räder beim Online-Glücksspiel drehen. Alle fünf Sekunden kann man dabei einen Euro verlieren. Macht pro Stunde theoretisch schon 720,- Euro und oft genug ist es schnell die gesamte Existenz. Denn am Ende gewinnt immer die Bank, oder besser, die Anbieter von Online-Glücksspielen und Sportwetten. Wie kann das eigentlich sein, dass man in Deutschland in kurzer Zeit zehntausende Euro verlieren kann, obwohl das eigentlich verboten sein sollte? Zitat: "Schon deshalb ist sichergestellt, dass Einzahlungen nur mit Geld erfolgen, über das der Kunde zum Zeitpunkt der Einzahlung auch verfügt." Geld, über das der Kunde zum Zeitpunkt der Einzahlung auch verfügt?
Tobias Hayer, Glücksspielforscher, Universität Bremen: "Diese Antwort bringt mich ein Stück weit zum Schmunzeln, ist aber auf der anderen Seite auch traurig.
Es ist ja nicht die Frage, ob das Geld zur Verfügung steht, weil Glücksspielsüchtige natürlich sind sehr umtriebig in der Geldbeschaffung.
| Großstadt | Geschätzte Anzahl Spielhallen | Lokale Regulierung (Beispiel) | Häufige Betreiberkette |
|---|---|---|---|
| Berlin | über 200 | Sperrbezirksverordnung (z.B. 500m zu Schulen) | Merkur Spielothek, Admiral, Bally Wulff Spielcenter |
| Hamburg | ca. 150 | Begrenzung der Anzahl, Mindestabstände | Merkur Spielothek, Vegas Spielothek |
| Köln | ca. 80 | Sperrbezirke, Nachtöffnungsverbot | Merkur, Admiral, Spielbank Colonia |
| Frankfurt am Main | ca. 70 | Strenge Sperrbezirksregelungen | Merkur, Admiral, Vegas |
| München | ca. 40 | Sehr restriktive Vergabepraxis | Merkur, Admiral |
(...) woher stammt das Geld und hat diese Person ein Glücksspielproblem?
Das Unternehmen konzentriert sich auf den Online-Markt und ist damit für den schnell wachsenden digitalen Glücksspielsektor gut aufgestellt. Die Innovationen und die Bereitschaft für neue Technologien haben das Unternehmen zu einem der wertvollsten und stärksten Glücksspielunternehmen weltweit gemacht. Die Glücksspielindustrie entwickelt sich ständig weiter, und die klassischen Casinobetreiber und die großen Online-Wettgiganten drängen sie mitten ins Geschehen. Die Sektoren, in denen diese Unternehmen tätig sind, sind sehr volatil und streng reguliert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie große Änderungen an ihren Angeboten vornehmen, hat sie jedoch bisher in dem immer stärker umkämpften Raum widerstandsfähiger gemacht.
Anlegern, die in die Welt der Glücksspielaktien einsteigen wollen, bieten sich eine Reihe von Möglichkeiten, einen Einblick in das anhaltende Wachstum der Branche zu erhalten. Börsepeople im Podcast S25/07: Victor Eggenberger Aktien auf dem Radar:Austriacard Holdings AG, Mayr-Melnhof, Bajaj Mobility AG, Zumtobel, Amag, Agrana, Porr, Semperit, Polytec Group, Kapsch TrafficCom, Verbund, DO&CO, FACC, Frauenthal, Frequentis, Reploid Group AG, CPI Europe AG, Linz Textil Holding, RBI, Uniqa, VIG, EuroTeleSites AG, Österreichische Post, Telekom Austria, Zalando, Microsoft, IBM, salesforce.com, Fresenius Medical Care, Merck KGaA, Airbus Group. Baader Bank Die Baader Bank ist eine der führenden familiengeführten Investmentbanken im deutschsprachigen Raum. Die beiden Säulen des Baader Bank Geschäftsmodells sind Market Making und Investment Banking. Als Spezialist an den Börsenplätzen Deutschland, Österreich und der Schweiz handelt die Baader Bank über 800.000 Finanzinstrumente. Das sind die entscheidenden Fragen, nicht, dass Geld vorliegt." Aber wieso konnte Elias sein Limit so einfach hochsetzen?
| Bundesland | Anzahl Spielbanken | Bekanntester Standort | Betreiber (Beispiel) |
|---|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 6 | Spielbank Hohensyburg (Dortmund) | Westspiel GmbH |
| Baden-Württemberg | 8 | Spielbank Baden-Baden | Staatliche Toto-Lotto GmbH BW |
| Bayern | 5 | Spielbank Bad Wiessee | Bayerische Spielbanken GmbH |
| Niedersachsen | 4 | Spielbank Bad Oeynhausen | Niedersächsische Spielbanken GmbH |
| Hessen | 3 | Spielbank Wiesbaden | Spielbank Wiesbaden GmbH |
Auf der Tipico-Seite finden wir einen Hinweis, dass für ein höheres Limit eine "Schufa-Glücksspiel Abfrage" erfolgt.
| Unternehmen / Marke | Geschäftsmodell | Geschätzte Anzahl Automaten | Regulierung (Beispiel) |
|---|---|---|---|
| Merkur (Gauselmann Group) | Aufstellung in Gaststätten, Spielhallen | > 100.000 | GewO, Landesglücksspielgesetze |
| Bally Wulff | Herstellung & Aufstellung von Geldspielgeräten | ca. 40.000 | GewO, Landesglücksspielgesetze |
| Alfred H. Nüßle GmbH & Co. KG | Aufstellung in Gastronomie (Süddeutschland) | ca. 15.000 | Landesglücksspielgesetze (z.B. BW) |
| NOVOMATIC (via Tochtergesellschaften) | Aufstellung in Spielhallen & Gastronomie | ca. 50.000 | GewO, länderspezifische Vorgaben |
Aber was sagt sie über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Spielenden aus? Zitat: "Über Informationen zu Einkommen oder Vermögen einer Person verfügt die SCHUFA nicht!" Und trotzdem haben die deutschen Landesregierungen den Anbietern gestattet, mit dieser Abfrage bei der Limiterhöhung zu arbeiten.
Sabine sieht sich getäuscht und hat eigentlich Anspruch darauf, ihr Geld zurückzubekommen. Sie klagt, so wie tausende Opfer illegaler Anbieter. Sabine: "Die haben halt cas online casino deutschland lizenziert nicht nach den Regeln gespielt und sich bereichert. Ich wusste nicht mal, dass sie die Wetten in Deutschland einfach illegal anbieten konnten." Zwei deutsche Gerichte haben Sabine schriftlich gegeben, dass Betway mangels Lizenz die knapp 180.000,- Euro Verlust erstatten muss. Doch Betway sitzt auf Malta und zahlt nicht.
Geschützt von der maltesischen Regierung, denn die Glücksspielindustrie ist hier inzwischen ein einflussreicher Player. Und die Regierung macht’s ihr leicht - mit geringen Steuern und lockeren Regeln. Alle drei Sekunden bis zu 200,- Euro verzocken? Vieles, was von Malta aus angeboten wird, ist in Deutschland eigentlich verboten, aber online eben erreichbar. Der Investigativjournalist Julian Bonnici ist auf Malta geboren und hat viel zur Glücksspielindustrie recherchiert. Stellvertretend für alle schloss das Land Hessen mit Sportwettenanbietern 2022 einen Vergleich vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt.
Zitat: "Schufa-Abfrage Glücksspiel (...) als Vermögensnachweis bei der Limiterhöhung auf 10.000,- Euro (...) anerkannt." Der Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Burkhart Blienert, wusste bis zu unseren Recherchen nichts von dieser Regelung.
Und profitiert erneut - genau wie alle anderen legalen Anbieter von einer bislang geheimen Vereinbarung mit den Bundesländern. Doch der Reihe nach: 1,3 Millionen Menschen in Deutschland gelten als glücksspielsüchtig, weitere 3,2 Millionen als Risikospieler, also gefährdet. Auch zu ihrem Schutz gibt es den Glücksspielstaatsvertrag, mit dem Ziel, das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern. Deshalb soll zum Beispiel kein Normalverdiener mehr als 1.000,- Euro monatlich an Automaten oder bei Sportwetten einzahlen können. Wenn Spieler trotzdem ihr Limit auf 10.000,- Euro erhöhen wollen, müssen sie den Anbietern erst nachweisen, dass sie sich das leisten können - etwa über Einkommenssteuerbescheide oder Einkommensnachweise. Burkhart Blienert (SPD), Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung: "Wenn man nach langen Diskussionen über viele Jahre genau über den Spielerinnen- und Spielerschutz eben debattiert - und wie kann es sich in einem Glücksspielstaatsvertrag dann noch darstellen - dann macht mich das schon wütend, wenn der aufgeweicht wird.
Und warum bekommt man sein Geld selbst dann nicht zurück, wenn man vor Gericht Recht bekommen hat? Die Antworten darauf haben wir in einer bisher geheimen Vereinbarung zwischen deutschen Behörden und der Glücksspielindustrie gefunden - und auf einer kleinen Insel im Mittelmeer. Eine gemeinsame Recherche mit dem Journalistenteam von Investigate Europe und ZEIT ONLINE, erzählt von Herbert Kordes." Hunderte Anbieter von Online-Glücksspielen verbreiten ihre Angebote von hier aus zu Millionen Spielerinnen und Spielern - auch in Deutschland - legal und illegal, ein Milliardengeschäft. Die Glücksspielindustrie ist eine wirtschaftliche Macht in Europa, führt viele Spielende in den Ruin. Sabine hoffte einfach, einen finanziellen Engpass zu überwinden.
Die kaufmännische Angestellte hatte gerade ein Haus gekauft, als sie plötzlich den Job wechseln musste und viel weniger verdiente. So fing es an mit dem Glücksspiel, mit Sportwetten. Sabine: "Man denkt immer, es kommt sicher mal wieder eine Glückssträhne und 'So, jetzt muss es aber doch mal klappen!' Aber ich hab immer mehr Schulden aufgebaut, hab mir von Freunden Geld geliehen. Und der Druck wurde immer größer, bis es irgendwann nicht mehr ging." Drei Jahre zockte Sabine mit Online-Sportwetten - und verspielte knapp 180.000 Euro beim Anbieter Betway. Dabei hatte Betway zu der Zeit gar keine Lizenz für Online-Glücksspiel in Deutschland, war also illegal auf dem deutschen Markt.